So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist. Matth. 22, 21

 

Liebe Gemeindeglieder,


beim Schreiben dieses Vorworts liegt meine Bibel aufgeschlagen vor mir und mein Blick fällt zufällig auf dieses Bibelwort.

Wir Christen leben in zwei Bezügen: Kaiser und Gott. Wir gehören in ein Land, zu einem Staat, zu einer politischen Gemeinde, die nach bestimmten Regeln funktionieren, wo wir verpflichtet sind und von denen wir auch profitieren. Wir leben im Gegenüber und in der Verantwortung vor Gott.

Beides ist für uns Christen wichtig, beidem sollten wir angemessen gerecht werden. Solche Bibelworte führten Martin Luther zu seiner sogenannten "Zwei Reiche Lehre".

Wir zahlen Steuern gehen hoffentlich wählen, für uns gelten Gesetze und Rahmenbedingungen. Wenn es um die Gestaltung, die Leitung und auch Bewirtschaftungen unserer Kirchen und Einrichtungen geht, gelten diese Dinge in vielerlei Hinsicht genauso. Aber es gibt für uns diese andere Seite: Gebt Gott was Gott gehört!

Überlegt immer wieder, was in seinem Reich wichtig ist. Eine wichtige Aufforderung und Mahnung. Im Leben und Alltag wie in den größeren Zusammenhängen von Gemeinde und Kirche.

Über dem, wie unser Leben so läuft und was wir alles tun müssen, für Familie, Beruf und Freizeit kommt Gott sicher immer wieder zu kurz.

Manchmal kollidieren beide Seiten auch mit je eigenem Anspruch. Im Konflikt und in der Krise allerdings ist Gott für uns die entscheidende Instanz, wie es auch die Barmer theologische Erklärung von 1934 diese für uns wichtige Bekenntnisschrift festhält: "Es gibt für uns keine Bereiche des Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern andern Herren zu eigen wären." So gilt es zu prüfen, wo wir kritisch Stellung beziehen müssen, und wo wir uns auch gegen manche Entwicklung und auch politischen Entscheidungen wehren müssen, weil sie zum Beispiel Gottes Gebot verlassen. Wenn wir auch in der Welt leben, so sind wir nicht einfach von der Welt, wie es die Bibel ausdrückt.

In unseren profanen Entscheidungen in Kirche und Gemeinde müssen wir immer genauso überlegen, was Gott will, und wie er es sich vorstellt. Rahmenbedingungen, Finanzen und Zwänge können auch etwas verunmöglichen, was für unser Gemeindeleben wichtig wäre. Das gilt nun vielleicht auch ein wenig für unser großes aktuelles Thema: "Liegenschaften" über das ich hier wieder einmal ein wenig informieren will.

Manchmal beschäftigen uns im Kirchengemeinderat, formale, organisatorische, wirtschaftliche und eben auch Gebäudefragen so sehr, dass wenig Zeit für Menschen und unser Gemeindeleben bleibt. Aber anders herum ist auch wichtig zu fragen, was Ballast ist, den wir endlich loswerden müssen. Vor den Sommerferien gingen die Ergebnisse im Blick auf unsere Gebäude ein. Im Vorlauf wurden von einer Fachfirma die Gebäudedaten erhoben und eine Bestandsaufnahme, eine Einschätzung der Werte sowie der Instandhaltungsstaus für alle Gebäude festgestellt. Die Landeskirche will die Gebäudeflächen reduzieren. Zunächst geht es dabei um die Gemeindehäuser. Vorgaben sind Schlüssel, die sich an den Gemeindegliederzahlen orientieren. Die Ergebnisse sind für uns nicht erfreulich. Wir haben im "Haus der Begegnung" ca. 55 % mehr Fläche, als wir zukünftig finanziell von der Landeskirche unterstützt bekommen. Dies entspricht einer Fläche von ca. 420qm , obwohl wir eine hohe Auslastung unserer Räume haben.

Mit dieser "Überfläche" müssen wir umgehen. Vermieten, verkaufen, rückbauen, selber bewirtschaften, anders nutzen usw.. Wir sind gefordert ein Konzept dafür zu erstellen. Dies wird nicht leicht werden und viel Kreativität und eventuell auch Umdenken erfordern. Finanziell brauchen wir uns noch nicht unmittelbare Sorgen zu machen, weil wir darauf schon in den letzten Haushalten hingearbeitet haben. Unsere Rücklagensituation und der letzte Haushaltsabschluss sind sehr positiv. Langfristig wird es aber spannend, weil wir weniger Zuweisung bekommen werden und wenn wir nichts abstoßen, trotzdem Rücklagen für alle Gebäude bilden müssen. Die Zukunft wird weitere Sanierungen bringen, die wir nun nur noch zu 50 % unterstützt bekommen.

Im Herbst wird das in einer Gemeindeversammlung Thema sein, um darüber noch ausführlicher zu berichten. Auch in all dem wollen wir bedenken: Gebt Gott was Gottes ist!

Überlegen, was sinnvoll sein kann, um weiter Räume zu haben in denen das Evangelium gut verkündet und weitergegeben werden und in denen eine Gemeindearbeit zur Ehre Gottes stattfinden kann.


Ihr Gemeindepfarrer Bernhard Jaeckel

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